Zahlendrifter – Focus RS Kopfprobleme

von Kowalski | am 29 Dez 2017

Der Ford Focus RS MK3 ist nicht ohne Grund eines der bemerkenswertesten Neuerscheinungen in der automobilen Welt. Der hochgelobte Allradantrieb, die kompromisslose Auslegung auf Fahrspaß und seine Alltagstauglichkeit, katapultierten das Hatchback in internationalen Vergleichstesten auf vordere Plätze. Als Antriebsquelle dient der hochentwickelte 2,3-Liter 4-Zylinder EcoBoost mit 350 PS. Die fast gleiche Maschine arbeitet auch im Mustang EcoBoost mit 317 PS ab 2015. In der neuen 2018er Version mit 27 PS weniger (290 PS). Die Maschinen sind dabei keineswegs absolut baugleich. Insbesondere der ohnehin aufwendige Kühlkreislauf, wurde im Focus RS an verschiedenen Stellen deutlich modifiziert.

Während der 2,3-Liter EcoBoost im Mustang, bis auf wenige Ausnahmen, zuverlässig arbeitet, haben nicht wenige Focus RS Besitzer häufiger Grund zu klagen. Auch normal gefahrene RS zwangen die Besitzer teils noch mit vierstelligen Kilometerständen auf die Standspur. Sehr häufig war es die Zylinderkopfdichtung, welche Probleme verursachte. In den Werkstätten wechselte man entweder die Dichtung aus oder sofort die komplette Maschine. Bisher gibt es keine offizielle Stellungnahme von Ford bezüglich dieser Probleme, was für zahlreiche Spekulationen in einschlägigen Foren sorgte.

In der amerikanischen Fachpresse (Road & Track) wurde nun eine sehr interessante Theorie veröffentlicht. Demnach vermutet der Autor eine falsche Etikettierung der Zylinderkopfdichtungen Focus RS/Mustang EcoBoost. Die in den Kühlkanälen unterschiedlichen Zylinderkopfdichtungen passen zwar physisch auf die Zylinderköpfe, verursachen aber – vertauscht – Probleme im Kühlkreislauf.

Der EB-Mustang verwendet einen kleinen V-förmigen Durchgang, der in den Block zwischen den Zylindern geschnitten ist, um Kühlmittel wie in der Abbildung oben zu übertragen. In der Dichtung befinden sich zwei miteinander verbundene Löcher, die Kühlmittel aufnehmen und bis zum Rand übertragen können, so dass sie in den Wassermantel fließen kann. Diese Löcher sind im Bild unten zu sehen. Die Abbildung stammt von der Online-Service-Informations-Website von Ford. (credit auch an Bozi Tatarevic)

Der Block im Focus RS ist hinsichtlich des Kühlkreislaufs unterschiedlich zum Mustang-Block ausgeführt, da dieser Durchgang nicht in den Zylinderblock geschnitten ist. Stattdessen wird das Kühlmittel durch einen Kanal geleitet, der unter die Oberfläche oben gebohrt wird. Diese Art von Konstruktion benötigt nur ein Loch an der Oberseite, um es mit dem Zylinderkopf zu verbinden. Denn das andere Loch kommt von der Seite und von oben. Ford hat ein Patent auf dieses Design veröffentlicht. Es erklärt, dass Kühlmittel neben dem Block (132 in dem Diagramm) eintritt und von der Oberseite (178 in dem Diagramm) austritt.

Die Veränderung eines der Kühlmitteleintrittspunkte von der Oberseite her zur Seite und das Überspringen der V-Nut erfordert eine Änderung der Kopfdichtung, da das zweite Loch und der Durchgang dazwischen nicht mehr benötigt werden. Das Weglassen des zweiten Durchgangs und der Brücke in der Dichtung verhindert, dass Kühlmittel in den Bereich zwischen den Feuerringen sickert, wo die V-förmige Nut am Mustang-Block vorhanden wäre. Da dort keine Nut in der Dichtung vorhanden ist, um das Kühlmittel in den Block zurück zirkulieren zu lassen, bleibt es im Durchgang hängen, wo es in Folge dessen stark erhitzt und schließlich die Dichtung beschädigen kann. Der Autor illustrierte den Vorgang.

Die Fehlertheorie ist, dass beide Dichtungen vom selben Lieferanten stammen und auf denselben Herstellungsstraßen hergestellt werden. Es ist möglich, dass weiter die Etikettierung mit den Teilenummern falsch ausgeführt wurde und so Mustang-Dichtungen in die Focus-Fertigung gelangt sind. Da hilft auch keine Teilescannung vor dem Montageprozess mehr.

Insgesamt ein bedauerlicher Vorfall, der durch eine verfehlte Informationspolitik seitens Ford, zu vermeidbarem Käuferfrust geführt hat.


Themen: Allgemein, Focus RS

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