Mustang Mach-E – Betriebskostenvergleich

von Kowalski | am 21 Jan 2021

 

 

  • Kaufargument: Klimaschutz vor Emotion oder funktioniert beides?
  • Reichweite: bereits Alltagstauglich? Kostenvergleich.
  • Ladeinfrastruktur: teurer als Haushaltsstrom – komplizierte Tarifsysteme.
  • Forderungen: Strom muss steuerentlastet werden (Stromsteuer, MwSt.)

 

Klimaschutz und Emotion – schafft der Mach-E beides?

Erste Testberichte des Mustang Mach-E offenbaren einen gelungenen Einstieg in die eMobilität des US-Autoherstellers. Für nicht wenige Mustang-Fans aber ist die Namensgebung ein absoluter Affront im Hinblick auf Ford Emotions-Zugpferd mit mehr als 55-jähiger Tradition. Auf der anderen Seite brauchen neue Kinder einen einprägsamen Namen und ein wenig Trouble im Kreissaal. Der Punkt geht daher ganz eindeutig auf das Konto der Blue-Ovel-Marketingabteilung.

 

Leider sorgte die Corona-Krise für nicht unerhebliche Verzögerungen in der Auslieferung. Die Nerven der Besteller wurden jüngst sogar noch einmal auf die Probe gestellt. Offensichtlich möchte Ford das Auto nicht in Kundenhand reifen lassen und hält aktuell zahlreiche Exemplare nach der Fertigstellung, noch Nachbesserungen zurück. Wie ein zu früher Release eines neuen Modells aussehen kann, erleben wir gerade mit dem Golf 8 und seinem elektrischen Bruder dem ID.3.

 

 

Reichweite bereits Alltagstauglich? Kostenvergleich.

Stromer werden vor allem an ihren Reichweiten gemessen. Der Mustang Mach-E legt hier mit über 600 Kilometer in der Heckantriebsversion einen sehr guten Wert im Vergleich auf. Wenn wir ehrlich sind, wer schafft mit dem Coyote mehr als 550 km mit einer Tankfüllung? Was aber bleibt von der Mach-E-Reichweite noch im Akku wenn wir im Winter über die Autobahn fahren? Die Reichweite sinkt mit aktiver Heizung und 120 km/h im Schnitt schnell auf nur noch 350 Kilometer. Treten wir etwas mehr aufs Gas sind sogar Reichweiten von unter 300 Kilometer schnell Realität. Damit wäre eine Fahrt aus dem Ruhrgebiet nach Hamburg mit einer Ladung kau möglich. Rund 22 bis 25 kW/h auf 100 Kilometern dürften ein realistischer Verbrauch des Mustang Mach-E sein (Prospekt 17,2 kW/h). Noch vor Hamburg muss der Mach-E an die Stromtanke. Hier schwanken die Preise immer noch ganz erheblich.

 

 

Teurer als Haushaltsstrom

Zum Haushalts-Strompreis würde die Ladung für 100 Kilometer (Mix-Verbrauch: 22 kWh) 7,07 Euro (32,15 Cent pro kWh/Eon,) kosten. An den öffentlichen Ladesäulen liegt der Preis fast immer höher. Einzelne Anbieter verlangen im Falle unseres Mach-E-Verbrauchs zwischen 7,04 Euro (32 Cent/kWh, Stadtwerke Dresden) und 11,44 Euro (52 Cent/kWh, E.ON). In Hamburg fallen 9,68 Euro (44 Cent/kWh, Stromnetz Hamburg) an und in Berlin 8,80 Euro (40 Cent/kwh, Allego).

 

Höhere Kosten fallen für den Strom an Schnellladesäulen (DC) an. Hier verlangen die Anbieter zwischen 48 Cent / 10,56 Euro (EWE, ENBW) und 77 Cent / 16,94 Euro (Ionity) pro Kilowattstunde. Lange Gesichter könnten auch Roaming-Gebühren verursachen, die einige Anbieter Fremdkarteninhabern berechnen.

 

Ein Ford Focus Turnier mit dem ungefähr gleichen Platzangebot braucht ca. 6,5 Liter Benzin auf 100 Kilometern für 1,35 Euro/Liter (Stand 01.2021) und damit dann 8,78 Euro für die 100 Kilometer. Damit würde der finanzielle Vorteil des Mustang Mach-E fast ausschließlich nur noch über die Hausladung via Wallbox funktionieren.

 

 

Komplizierte Tarifsysteme

Eine große Hürde für E-Auto-FahrerInnen ist der oft komplizierte Zugang zu den Ladesäulen. Wer zwischen Flensburg nach München in unterschiedlichen Regionen sein E-Mobil laden will, muss sich eine Vielzahl von Apps oder Ladekarten besorgen und sich jeweils registrieren. Roaming-Dienstleister lösen dieses Problem, indem sie eine Karte für zehntausende Ladepunkte anbieten. Sie lassen sich diesen Service aber durch teils kräftige Aufschläge bezahlen. Und das Tarifchaos bleibt.

 

 

Forderung: Strom muss steuerentlastet werden (Stromsteuer, MwSt.)

Wie angekündigt wurden Benzin und Diesel ab 2021 an den Tankstellen um rund 7,5 Cent über die neue CO2-Steuer belastet. Weitere Belastungen stehen zukünftig sicherlich in der Diskussion.

 

Wie sieht aber die Zusammensetzung des Strompreises aus und welches Potenzial von zukünftigen Steuerbelastungen müssen hier befürchtet werden? Selbst wenn es gelingen sollte einzelne Komponenten wie die EEG-Umlage zu senken, könnte bereits eine Erhöhung der Stromsteuer den Strom an den Ladesäulen zukünftig deutlich teurer werden lassen.

 

Schon heute, das zeigt unsere Rechnung für den Mach-E, ist die eMobilität nicht in allen Vergleichsrechnungen ein finanzieller Vorteil für den Verbraucher. Lange nicht alle Besitzer von Stromern haben die Möglichkeit eine Wallbox in ihrer Garage zu installieren. Gleiches gilt für eine eigene Fotovoltaik-Anlage, zur günstigen und autarken Energieversorgung. Wenn wir die sicherlich nötigen Maßnahmen zum Klimaschutz unterstützen wollen, dann gehört dazu auch der finanzielle Anreiz für den Verbraucher. Keinesfalls dienlich wäre hier der Würgegriff des Finanzministers. Kurzfristig können die Verbraucher durch Senkung der Stromsteuer auf den EU-Mindeststeuersatz entlastet werden. Bisher zahlen deutsche Verbraucher deutlich mehr als der Mindestwert der EU vorgibt. Der Deutsche Bundestag kann und muss zügig eine deutliche Entlastung beschließen, um zumindest die Kostensteigerungen der vergangenen Jahre zurückzunehmen. Mittelfristig sollte die Mehrwertsteuer auf Strom von derzeit 19 Prozent auf 7 Prozent gesenkt werden.

 

 

Preise basieren auf den Angaben von Lichtblick.de und eigenen Recherchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Themen: Allgemein

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